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Kinder unter sich!

Gerade las ich einen großartigen Artikel (Link zum Artikel) von Peter Gray. Meine Gedanken laufen seitdem Sturm und ich "muss" diese nun niederschreiben.

 

Oft höre ich in meinen Kursen und Beratungen

"Ich weiß überhaupt nicht was ich alles mit meinem Kind machen soll." Die Frage kommt von Eltern mit ihren Säuglingen und älteren Kindern.

Vom Alter her, können wir "etwas" unterscheiden, inwieweit wir uns mit unseren Kindern beschäftigen sollten.

 

Eine kleine Geschichte aus meinem Leben...

Mein Sohn (das erste Kind) war damals vielleicht 5-6 Monate alt. Es lag auf seiner Decke auf dem Boden und erkundete gerade begierig einen Schneebesen, steckte seine Zunge hinein, drehte es hin und her und schlug es zwischendurch auf den Boden. Der Vater saß neben ihm und las eine Zeitschrift. Ich fragte ihn irgendwann, ob er sich denn nicht mal um seinen Sohn kümmern kann (der Vorwurf meinerseits war deutlich heraus zuhören).

Nein, antwortete er, warum, er beschäftigt sich doch gerade selbst. Ich fand es zunächst total unverständlich. Schließlich bin ich den ganzen Tag mit Bespaßung beschäftigt und er sitzt einfach nur daneben...

Mein Mann hatte völlig Recht! Mein Sohn war völlig bei sich, erkundete selbstständig die Welt und war absolut zufrieden.

 

Was ich damit sagen möchte? Auch ganz kleine Babys haben den Drang die Welt selbstständig zu erforschen.

Quasi aus dem Bauch heraus ist der "Verselbstständigungs-Knopf" angeschaltet.

Wenn wir die Babys beobachten, stellen wir fest mit welcher Intensität und Ausdauer sie Dinge erforschen und erfahren. Wir müssen ihnen nicht stets und ständig neues Spielzeug vor die Nase halten oder das Spielzeug austauschen. Sie sind so kompetent und machen auf sich aufmerksam, wenn sie gelangweilt sind. Natürlich heißt das nicht, dass wir uns nicht mit ihnen "beschäftigen" sollen. Gezielte Beschäftigungen sind für Babys sinnvoller als ein permanentes animieren. Dadurch passiert es schnell, dass die Kinder überreizt sind und irgendwann den Drang verlieren können, es selbst zu tun.

Zudem lieben es Babys die Dinge zu nutzen, die die Eltern in Gebrauch haben. Babyspielzeuge sind für Babys oft uninteressant. Die einfachen Gebrauchsgegenstände aus dem Familienalltag sind oft das Größte für die Kinder. Und oft reicht es den Babys wenn wir bei Ihnen sind und Blickkontakt haben.

Um es noch einmal deutlich zusagen...

Sich mit Babys zu beschäftigen ist wundervoll!

Die Entwicklung zu beobachten, bei ihnen und mit ihnen sein, zu tanzen, zu singen, draußen die Welt erkunden, kleine Spielereien, kitzeln, lachen, kuscheln (ganz viel kuscheln) also eine wirklich qualitativ tolle Zeit verbringen, ist für die Babys (und uns Eltern) das Größte.

Eltern sind keine 24 Stunden Bespasser, wir dürfen auch gerne, dann und wann, mit einem schönen Buch neben unseren Kindern sitzen und die Zeit relaxt genießen.

 

Und das hört auch nicht auf wenn die Kinder größer sind.

 

Auch Langeweile gehört zum Leben dazu. Meist ist das für uns Erwachsene schwer auszuhalten und wir bieten den Kinder "irgendwas" an damit ihnen nicht mehr langweilig ist. Das aus Langeweile Kreativität entsteht ist nicht neu und soll auch jetzt nicht großes Thema werden. Hier ein Link zu einem kurzen Video mit Gerald Hüther zu dem Thema.

 

Bei uns zuhause sind (fast) täglich verschiedene Kinder, Freunde meiner Kinder. Ich bin dann total abgeschrieben. Höchstens wenn das Hungergefühl kommt, darf ich in Erscheinung treten. In Ausnahmefällen "darf" ich auch mal mit ihnen basteln oder ein Gesellschaftsspiel spielen.

Meistens bekomme ich nichts von ihnen mit. Sie sind dann unter sich und das ist auch gut so. Wenn ich sehe wie z. B. meine Tochter mit absoluter Phantasie und Kreativität mit ihren Freundinnen spielt, bin ich auch heute noch oft verwundert und vor allem beigeistert.

NIE könnte ich so mit ihr spielen, wie sie es mit ihren Freundinnen macht.

Mein Sohn spielt "anders" mit seinen Jungs. Wenn ich ihre Unterhaltungen mitbekomme, überrascht es mich oft, welche Themen gerade aktuell. Das Lehrreichste für mich daran ist, dass die Kinder sich aussprechen lassen und zuhören. Ich habe noch nie eine Diskussion mitbekommen (so wie wir Erwachsenen es besonders gut können). Das grenzt eher an ein dialogisches Gespräch. Die Meinung des Gegenübers wird akzeptiert.

Und  wenn sie sich im Spiel "in die Flicken" bekommen, lösen Kinder diese Streitigkeiten wesentlich kompetenter unter sich als wir Großen es jemals könnten.

 

Früher habe ich abends oft mit schlechtem Gewissen gedacht:

"Oh Gott, du hast dich heute überhaupt nicht mit den Kindern beschäftigt!"

Heute denke ich: "Wie schön, dass meine Kinder heute einen supertollen Tag mit ihren Freunden hatten".

 

Meine Kinder (Junge und Mädchen) haben unterschiedliche Interessen. Einige teile ich mit Ihnen, einige überhaupt nicht.

Wenn bei uns mal kein Besuch ist und meine Tochter mich fragt ob ich mit ihr Playmobil spiele, sage ich ihr ehrlich meine Meinung. Wenn ich keine Lust habe (ja, das darf ich mir als Mutter zugestehen), dann sage ich ihr das und es dauert keine 3 Minuten und sie ist, alleine, völlig versunken in ihrer Spielphantasiewelt. Wenn ich Lust habe und wir spielen, kommt oft der Satz:

"Mit dir ist das langweilig".

Und da hat sie Recht. Ich kann nicht wie Kinder untereinander spielen.

Ich bin "leider" Erwachsen und habe die Fähigkeit des freien kindlichen Spiels verloren. Mit mir können meine Kinder malen, basteln, Gesellschaftsspiele spielen, toben und Bücher lesen. Das wissen sie. Ich spiele auch nicht mehr mit ihnen aus schlechtem Gewissen, weil ich meine, ich müsste das dann tun.

Wie wäre es für uns, wenn sich jemand mit uns trifft und er hat dazu gerade überhaupt keine Lust...

 

Natürlich unternehmen wir gemeinsame Aktivitäten. Auch Hobbys werden nachgegangen. Ich achte allerdings darauf, dass das nicht Überhand nimmt.

Zum einen bin ich nicht das ewige Eltern-Taxi und zum anderen (für mich viel wichtiger Grund) möchte ich, dass meine Kinder Zeit zum Freispiel haben und sich mit ihren Freunden treffen können.

Ich bin überzeugt davon, dass es nichts besseres gibt für Kinder als unter sich zu sein ohne Einmischung der Erwachsenen.

Zum Schluss noch ein großartiger Artikel zum Thema "Freies Spiel".

 

Bildnachweis: Fotolia 71204714Spielende Kinder um einen Baum
© scusi

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefan (Samstag, 06 Januar 2018 16:54)

    In Wahrheit sind wir alle Schneebesen. Solange wir nicht auf der Couch sitzen und Zeitung lesen, wird uns die Zunge hineingesteckt, wir werden hin und her gedreht und zwischendurch auf den Boden geschlagen.